Wann kommt Teslas „Full Self Driving” zu uns?

Diese Woche kündigte Elon Musk auf Twitter Teslas „Full Self Driving“-System (FSD) für Europa an. Tesla ist für ambitionierte Zeitpläne und verspätet eingelöste Versprechen schon lange bekannt. Das Versprechen vollautomatisiertes Fahren zu realisieren ist wohl das Sahnehäubchen der nicht eingelösten Tesla-Versprechen. Bekommen Kunden nun endlich, was sie schon vor Jahren bezahlt haben?

Tesla rüstet bereits seit 2016 alle Fahrzeuge mit Hardware für vollautonomes Fahren aus. Dies beinhaltet eine Vielzahl von Kameras, Ultraschallsensoren für die nähere Umgebung und seit kürzerer Zeit einen hauseigenen, leistungsstarken FSD-Computer. Zu Beginn wurde auch noch ein Radarsensor verbaut, aktuelle Teslas beziehen sämtliche Daten, die sonst der Radar liefert, aus den Kameras. 2019 versprach Elon Musk für das folgende Jahr eine Flotte von einer Million autonom fahrender Teslas auf den Straßen – das konnten ihm selbst große Optimisten kaum glauben. Obwohl er dieses Versprechen nicht halten konnte, kann man das autonome Fahrsystem schon seit einigen Jahren bei Tesla kaufen, in Deutschland heißt es „Volles Potential für autonomes Fahren“. Dieses Potential lässt sich Tesla happige 7.500 € kosten, obwohl es bis heute nur sehr spärliche Funktionen bietet.

Elon Musk blieb seine vollmundigen Ankündigungen bisher weitestgehend schuldig. Doch einen beachtlichen Schritt in Richtung autonomes Fahren erzielte Tesla im Oktober 2020, als in den USA die erste Betaversion der FSD-Software für einen kleinen Kundenkreis veröffentlicht wurde. Mit dieser Software können Teslas prinzipiell überall auf sich allein gestellt fahren: In Innenstädten erkennt das System sämtliche Verkehrsteilnehmer, Ampeln und Baustellen, außerdem meistert es Abbiegungen auf großen, mehrspurigen Kreuzungen mit viel Verkehr. Allerdings bleibt es dabei, dass der Fahrer die volle Aufmerksamkeit auf den Verkehr richten muss und im Notfall bereit sein muss einzugreifen. Nach den hierzulande bekannten Automatisierungsgraden von 0 (keine Automation) bis 5 (vollautonomes Fahren) wäre das System also weiterhin bei Level 2. Mercedes erreicht seit kurzem auf ausgewählten Teilabschnitten der Autobahn autonomes Fahren Level 3, bei dem der Fahrer kurzzeitig die Augen vom Straßenverkehr nehmen darf.

Teslas Vorgehensweise stößt auf einige Kritik. Das Kraftfahrt-Bundesamt äußerte kürzlich, die Straße sei kein „Experimentierfeld“. Die FSD-Software ist praktisch nicht ausgereift, trotzdem lässt Tesla sie auf seine Kunden los – freikaufen tut man sich mit dem Level-2-Status: Der Fahrer muss das Geschehen genauso beobachten als würde er selbst fahren, dann kann auch nichts passieren, so der Gedanke von Tesla. Die bisherigen Zahlen geben Tesla da Recht: Mit FSD sind bisher keine nennenswerten Unfälle passiert, mit dem davor genutzten „Autopilot“-System nur einige wenige. Tesla entwickelt seine autonome Software also praktisch mithilfe seiner Kunden auf der Straße. Läuft etwas schief, können sämtliche Sensordaten des Fahrzeugs ausgelesen und so der Fehler eliminiert werden. Der fortschrittliche Gedanke schon sehr früh alle Fahrzeuge mit der nötigen Hardware auszustatten kommt Tesla da zugute: Die gesamte Tesla-Flotte der Welt erzeugt jede Sekunde große Mengen realer Fahrdaten, die zur Entwicklung und Verbesserung ihres autonomen Fahrsystems verarbeitet werden können. Andere Hersteller haben diese Möglichkeit in dieser Dimension nicht, gehen weniger Risiko ein und beschränken sich zunächst auf kleine Teilabschnitte, in denen autonom gefahren werden kann, während Tesla mithilfe seiner weltweit datensammelnden Flotte das autonome Fahren kurzfristig überall möglich machen will.

Tesla geht also aufs Ganze. Diesen Sommer soll die Software auch endlich zu uns kommen, twitterte Elon Musk letzten Dienstag. Ob das System hier nach Teslas Vorstellungen zugelassen wird, ob der Zeitplan eingehalten werden kann, all das bleibt abzuwarten. Ebenso die Frage, wann autonomes Fahren Level 5 erreicht werden kann, wo keine Person mehr im Auto sitzen muss, bleibt abzuwarten. Auch wenn in der Automobilindustrie hart daran gearbeitet wird - dieses Ziel ist noch weit entfernt.

Bild: Tesla

 

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