NIO – vielversprechender Newcomer aus China

Elegantes Design, minimalistisches Interieur, brachiale Leistung und ein Hang zu großen Ankündigungen – man könnte meinen, Elon Musk würde ein zweites Tesla aufziehen. Allerdings ist Nio weder amerikanisch noch ein Werk von Elon Musk. Der Mann hinter Nio heißt William Li, ein chinesischer Milliardär, der im Begriff ist, eine interessante Automarke aus Fernost zu schaffen. Der Einstieg in den europäischen Markt steht kurz bevor.

Im Herbst vergangenen Jahres war das Elektroauto-Vorzeigeland Norwegen der erste europäische Fleck, an dem sich Nio hat blicken lassen: Seit September ist dort der „ES8“ bestellbar. Dieser bietet sieben Sitze, 530 PS und modernste Technik wie teilautonomes Fahren und „Nomi“, einen intelligenten Sprachassistenten mit Gesicht. Schlagzeilen machte Nio im letzten Jahr allerdings eher mit Ankündigungen kommender Modelle. Der ET7 und der kleinere ET5, elegante Limousinen mit hochwertiger Ausstattung, sollen mit Reichweiten von bis zu 1.000 km erhältlich sein. Möglich machen soll dies einerseits ein spitzenmäßiger cW-Wert von 0,208 und eine rekordverdächtig große Batterie mit 150 kWh Kapazität. Diese Batterie soll laut Nio 2023 in dem ET7 landen. Inwieweit sie dieses Versprechen halten können, wird sich zeigen, denn Nio setzt bei diesem Akku auf die Festkörperbatterie, einem völlig neuen Batterietyp. Im Gegensatz zur herkömmlichen Lithium-Ionen-Batterie hat die Festkörperbatterie einen festen Elektrolyten und metallisches Lithium an der Anode. Dies führt zu einer hohen Energiedichte, mit der Akkukapazitäten jenseits der 100kWh-Marke in PKWs realisiert werden können. Allerdings gibt es noch einige offene Fragen, die der Serienreife dieser Batterietechnik im Wege stehen. Zunächst werden die Nio-Modelle also mit herkömmlichen Lithium-Ionen-Akkus erscheinen. Bei Batteriegrößen von 70 und 100 kWh sind auch so schon sehr hohe Reichweiten jenseits der 500 km möglich.

Eine neue alte Idee, die Nio konsequent wiederaufleben lassen will, ist die Idee eines Batteriewechselsystems. Ist der Akku leer, führt der Weg nicht zum Schnelllader, sondern in ein garagenartiges Gebäude mit Hebebühne, in dem der leere Akku in nicht mal fünf Minuten durch einen vollen ausgetauscht wird – theoretisch. Dafür bietet Nio wie zuletzt Renault eine Batteriemiete an, da man wohl kaum einen gekauften Akku in den Batterie-Wechsler geben will. Es stellt sich jedoch die Frage nach dem wirklichen Nutzen dieser Idee. Während in großen Schnellladeparks wie zum Beispiel am Kreuz Hilden oder im EnBW-Ladepark am Kamener Kreuz bis zu vierzig Autos gleichzeitig betankt werden können, bietet eine Wechselstation nur Platz für ein Fahrzeug. Bildet sich nur eine kleine Schlange aus zwei bis drei Autos ist der Zeitvorteil schon wieder dahin. Nio setzt konsequent auf diese Idee: Schon über 800 Wechselstationen sind in Betrieb, der Zeitplan für den Aufbau weiterer Stationen ist ambitioniert. Wer nicht „swappen“ möchte oder kann, der hat natürlich auch die Möglichkeit an einen Schnelllader zu fahren. Angesichts der versprochenen Reichweiten von bis zu 1.000 km sollte das allerdings kaum noch nötig sein.

Was erwartet uns also mit Nio? Uns erwartet sicherlich mehr als nur irgend so ein Elektroauto. Nio will technisch neue Maßstäbe setzen und überrascht mit tollem, elegantem Design und einer hochwertigen Verarbeitung. Inwieweit sich Ideen wie der „Battery-Swap“ durchsetzen werden bleibt abzuwarten. Schafft Nio den Einstieg in den europäischen Markt, könnten ihre Fahrzeuge eine tolle neue Konkurrenz zu bestehenden Elektroautos sein: Der ET7 in der Klasse des EQS und Tesla Model S und der ET5 etwas später im Dunstkreis des Model 3. Schon in diesem Jahr sollen der ES8 sowie der ET7 auf Deutschlands Straßen rollen.

(Bild: NIO)

 

 

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